Web 2.0-Kongress: Lessons learned

Veröffentlicht am 18. Mai 2006 um 14:24 Uhr von Mark Pohlmann

Die Next10Years, unser Web-2.0-Kongreß, sind jetzt schon wieder eine Woche Geschichte. Höchste Zeit, eine große Retrospektive zu starten.

Ziele

Was wollten wir überhaupt erreichen? Zuallererst sollte es eine intime, fröhliche und kommunikative Veranstaltung für Internetprofessionals sein. Kommet, tauschet euch aus und feiert! Dann wollten wir ebenjene Aufbruchstimmung vermitteln, die wir in unseren Projekten fühlen. Und wir wollten uns in die Mitte einer Bewegung setzen, von der wir überzeugt sind, daß sie uns vielleicht nicht in den nächsten 12, wohl aber in 24 bis 36 Monaten fundamental verändern wird: Web 2.0.

Wenn man sich das Feedback ansieht (die Resonanz ist hier zu finden), scheint uns das Erwünschte ganz gut gelungen zu sein. Um Eigenlob geht es hier aber nicht.

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Konnten wir das Thema Web 2.0 vermitteln?

Das ist die Frage, die mich zentral beschäftigt: Konnten wir vermitteln, was wir zu sagen hatten? Daß Web 2.0 ein Synonym dafür ist, wie Unternehmen morgen mit ihren Kunden umgehen? Nicht unbedingt, weil sie dies selbst auch so wollen, sondern eher, weil diese den Anbieter dazu zwingen? Daß Kontrollverlust, Diversifikation und Kommunikation in Echtzeit kommen? Daß Kunden Unternehmen steuern und nicht umgekehrt? Daß Technik einfach und offen und trotzdem zuverlässig sein und Spaß machen kann?

Was wir erreicht haben ist, ein Zeichen zu setzen und dem Thema mehr Aufmerksamkeit in Deutschland zu geben. Für eine Agentur mit 140 Mitarbeitern ist dies schon eine Leistung.

Was aber ist mit den Inhalten? Die Qualität und damit das vermittelte Aha-Erlebnis der Referate schwankte zugegebenermaßen. An vielen Stellen hatten wir sehr, sehr gute Leute auf den Podien, einige haben die Erwartungen jedoch ganz klar nicht erfüllt. Wir müssen einsehen, daß es derzeit einfach noch zu wenige überzeugende Web-2.0-Apologeten gibt, um 18 Referatsplätze durch die Bank überzeugend zu füllen.

Interessant hierbei ist, daß Kritik an den Referenten zu keiner Kritik am Kongress führte (Siehe hier beispielsweise Martin Roell). Letzlich waren alle Sprecher Profi genug, um selbst für sich verantwortlich zu sein. Das schließt die Freiheit ein, sich und ihr Unternehmen zu desavoieren. Hier und da wurde von dem Recht Gebrauch gemacht. Auch das war interessant anzusehen: Daß ein Unternehmen vom Kopf und Bauch nicht ganz so weit ist, wie es vorgibt. Web 2.0 ist eben vor allem eins: Beta.

Zum anderen ist der Wissenstand und Informationsdurst bei so einer Veranstaltung naturgemäß sehr breit. Im Auditorium saßen ITler, Werber, Wettbewerber, Blogger und sonstwer. Es war schön bunt!

Wer aber konnte mit den Botschaften etwas anfangen?

Bei den Vertretern des Web 1.0 haben wir wohl recht wenig erreicht. Hier herrscht die Meinung vor, daß sie sich weiter nur um Aspekte kümmern müssen, die monetär zu erfassen sind. Diese Überzeugung wird erst zum Umdenken führen, wenn Dialog und Umsatz tatsächlich in direkter Relation stehen. Kommunikationsverantwortliche Manager, die durch monologisierende Werbung und Einbahnstraßengeschäfte groß (und bekannt und erfolgreich) geworden sind, werden kaum ihre eigene Mediensozialisierung in Frage stellen. ("Wir nennen das jetzt alles Web 2.0 und machen so weiter wie bisher").

Blogger und sonstige Web-2.0-Krauter mußten dafür gar nicht überzeugt werden. Sie waren da, um sich ihrer selbst zu bestätigen: Wo wir sind, ist die Spitze der Bewegung.

Die für uns aktuell entscheidende Gruppe ist diejenige, die intellektuell durchdringt, was Web 2.0 bedeutet (so schwer ist es es ja auch nicht), aber nicht weiß, was daraus machen. Hier haben wir hoffentlich das Nachdenken über neue Wege in Gang gesetzt. Viele "wie-wars-denn"-Gespräche lassen jedenfalls die Hoffnung zu.

Und ich bilde mir tatsächlich ein, daß wir bei einigen Teilnehmern eine Überraschtheit erzeugen konnten, wie unkompliziert Web 2.0 an sich ist: Sei spitz statt breit, unkompliziert & direkt, launche früh, höre deinen Kunden zu und entwickle dich schnell und kontinuierlich weiter.

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Am wenigsten konnten wir wohl den IT-Experten aus Großunternehmen bieten. Wer Interaktionen im Hochsicherheitstrakt verantwortet, ist für Open Source wohl eher nach Feierabend zu begeistern.

Was hat überrascht?

Och, so einiges.

- Zum Beispiel, wie gut unsere Tags angekommen sind. Das hat Spaß gemacht zu sehen, wie viel Spaß sone Kleinigkeiten machen.

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- In diesem Zusammenhang: Die wirklich gute Laune aller Teilnehmer und Beteiligten. In der Retrospektive kann ich nur sagen: Was waren das für Mistjahre 2001-2004, wie gut daß das vorbei ist!

- 500 Menschen, auch wenn sie aus der Kommunikationsbranche sind, entwickeln eine gewisse Schwerfälligkeit. Bei 11 Veranstaltungen mit 18 Referenten in 4,5 Stunden kann es ganz schön nervenaufreibend sein, einen Zeitplan einzuhalten.

- Wie gut sich Blogger und Werbeprofis ergänzen. Mal ehrlich: Brauchen nicht beide die jeweils andere Seite zum besseren Kontrast?

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Was werden wir nächstes Mal anders machen?

Klar ist, daß es ein nächstes Mal gibt - was einmal funktioniert, wird hiermit zur Tradition erklärt.

- Beim nächsten Mal die Website viel stärker in die Kommunikation vor, während und nach dem Event einbinden. Das heißt auch: eine bessere Vernetzung der Teilnehmer und Referenten untereinander.

- Stärker berücksichtigen, wie unterschiedlich die Informationsbedürfnisse sind und auch nerdiges feilbieten. Und populäres. Und kreatives. Einfach in der Spitze breiter werden ;-)

- keine Ansteckmikrofone sondern richtige zum in die Hand nehmen. Da versteht man mehr.

- Einen anderen Termin. April statt Mai.

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Bisherige Kommentare

1 | Christian Clawien schrieb am 18.05.06 15:59

Ein nächstes Mal kommt bestimmt?! Das hört sich gut an. War wirklich eine Spitzen-VA und zumindest im Track 1 bis auf eine Ausnahme Referenten, die ihr Thema/Portal interessant vorgestellt und mit den Gästen diskutiert haben. Und viele interessante Leute hat man auch noch kennengelernt. Was will man mehr?

2 | Lois Lane schrieb am 29.05.06 12:55

"In der Spitze breiter werden" kann man wohl nur formulieren, wenn man Werber ist. Mir biegt das die Zehennägel hoch.

3 | Mark Pohlmann schrieb am 29.05.06 13:43

@ lois
Ich bin kein Werber. Und Sie anscheinend unfähig, ironische Formulierungen zu dechiffrieren.

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