Blogger vorm Werbekarren

Veröffentlicht am 19. Mai 2006 um 12:59 Uhr von Mark Pohlmann

Gute Blogger sind rar und wertvoll. A-Blogger sind die digitalen Hubs für eine Vielzahl anderer Multiplikatoren: Journalisten, Tekkies, Werber. Je besser sie sind, umso häufiger dienen sie als Quell für Trends, Themen und Meinungen.

Die meisten bekannten Blogger halten sich einiges Zugute auf ihre archaische, ungebundene Arbeitsweise. Zu recht, denn es fließen viel Zeit und Liebe in einen guten Blog, die sich (noch) nicht monetarisieren lassen. Blogger arbeiten zuallererst mal umsonst. Deswegen lautet die wichtigste Motivation auch: Aufmerksamkeit. Und die läßt sich am besten erreichen durch Unabhängigkeit und Andersartigkeit. All das, was viele Leser in den durchkommerzialisierten Medien nicht vorzufinden glauben.

Reinheit weckt Begehrlichkeiten - von der Werbeindurstrie. Für sie sind Blogger wertvolle Glaubwürdigkeitsträger in einer korrumpierten Welt, und deswegen werden sie immer heftiger als Fahnenträger ihrer Produkte umworben. Es fängt an mit Einladungen zu PR-Events, die Fahrtkosten werden erstattet, man erwartet nichts, hofft aber doch auf wohlwollende Kenntnisnahme und - natürlich - einen Blogeintrag, wie´s denn war.

Doch indirekt war gestern. Heute werden die Blogger zu Testimonials, die Autos (Opel), Handies (LG, Nokia) oder Kameras (Pentax) testen. Dies kann nicht ohne Auswirkung auf das Verständnis von Blogs bleiben. So spannend sich die Erfahrungen auch lesen, vergrößern sie die Distanz zwischen Leser und Autor beträchtlich. Das werden die Hersteller genauso wie die Blogger spüren.

dailypia_opel.gif

Ich persönlich glaube nicht, daß diese halbprofessionelle Zusammenarbeit lange Bestand haben wird. Wahrscheinlich wird die Wahrnehmung solcher Allianzen schnell abnehmen, je häufiger sie ausgeübt werden.

Coca-Cola beschreitet einen wie ich finde konsequenteren Weg. Statt Blogger als frei umhersch[wirre]nde Litfaßsäulen zu engagieren, holen sie sich diese ins Haus, vielmehr in eine WG, die während der WM in Berlin aufgebaut wird. So werden die Blogger für eine gewisse Zeit zu offiziellen Mitabeitern der Marke, alles, was passiert, passiert im Umfeld der Marke. Ist das Projekt zuende, ist wieder alles wie vorher. Keiner muss sich für die wie auch immer verwobene Vernetzung entschuldigen, nichts gerät aus den Fugen. Oder wird Opel wirklich seinen Kunden wirres.net als Lektüre empfehlen? Ich bin gespannt.

Mehr zu dem Thema bei Robert Basic

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Die folgenden Weblogs beziehen sich auf diesen Eintrag Blogger vorm Werbekarren:

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Bisherige Kommentare

1 | Ernst Probst schrieb am 22.05.06 20:46

Ich persönlich finde Werbung in Weblogs noch interessanter als private Mitteilungen, ob jemand mit dem linken oder rechten Fuß aufgestanden ist. Es gibt halt auch Leute, die für ihren Service oder ihre Produkte werben müssen. Wenn das private Blogger nicht ertragen, sollte man vielleicht spezielle kommerzielle Weblogs einrichten, in denen im Gegenzug private Blogger nicht publizieren dürfen. Aber muss das sein? Mit etwas Toleranz geht es auch gemeinsam. Eigentlich gehören Internet und Weblogs allen.

2 | Daniel schrieb am 24.08.06 12:04

Ja, das sehe ich ähnlich, zumal ja jeder selber entscheiden kann, welche Inhalte er lesen will und vor allen was er dem Gelesenen für eine Bedeutung zuteilt...

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