Web-Analyse im Zeitungsjournalismus

Veröffentlicht am 4. April 2006 um 17:24 Uhr von Mark Pohlmann

Die Faz (genauer: Stefan Niggemeier) schreibt (mal wieder) sehr ausführlich und erhellend, dieses Mal über Zeitungsjournalismus und die Frage, wie man das Leseverhalten analysiert ("ReaderScan").

Schon die Existenz der Zahlen ist brisant. Sie lassen sich als Machtinstrument gegen vermeintliche Luxus-Angebote einsetzen. Man kann mit ihnen Kosten-Nutzen-Rechnungen anstellen, in denen die gesellschaftliche Funktion der Tageszeitungen keine Größe ist. Ist ein Ressort als Quotenkiller ausgemacht, kann es unter erheblichen Rechtfertigungsdruck geraten - auch wenn Verleger großer Regionalzeitungen sich beeilen, sich zum Wert solcher Minderheitenangebote zu bekennen

Das nennt man im Internet übrigens Web-Mining, liebe Zeitungsmacher und ist das tägliche Brot aller im Internet schreibenden, nicht nur der Journalisten.

Jeder, der sich dafür interessiert, erhält mit wenigen Minuten Verzug eine präzise Analyse des Userverhaltens als Feedback auf die Attraktivität des Contents. Bei journalistischen Formaten führt das, liebe Zeitungsmacher, übrigens dazu, daß Headlines, die nicht laufen, nach 15 Minunten aktualisiert werden - zur Not so lange, bis die Geschichte läuft. Denn nur geklickte (und gelesene) Artikel bringen dem Leser mit Anzeigen vollgestopfte Seiten zu Gesicht - mithin hilft Webmining, den eigenen Job (in diesem Falle: als Online-Redakteur) zu sichern - jedenfalls dann, wenn man schreibt, was andere interessiert. 

Viele Schlußfolgerungen, die sich aus den Zahlen ziehen lassen, entsprechen klassischen Journalistenregeln: Gute Texte werden mehr gelesen als schlechte, es hilft, wenn Text und Bild nicht auseinanderklaffen, wenn überhaupt ein Bild da ist. Um das zu wissen, müßte man natürlich nicht einem Schweizer Geschäftsmann einen sechsstelligen Betrag für das aufwendige ReaderScan-Verfahren zahlen. Aber es scheint einen Unterschied zu machen, diese Regeln theoretisch vorgebetet zu bekommen oder ihre Auswirkungen täglich in der Praxis zu sehen.
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