PR im TV. Und so geht´s bei RTL.

Veröffentlicht am 9. Juli 2005 um 23:00 Uhr von

Für 890 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer) gaben RTL und die dpa-Tochter newsaktuell letzte Woche einen zweitägigen Einblick (Programm, S.28) in die Mechanismen der "Pressearbeit mit Fernsehsendern. So gelingt der Sprung ins Programm". Seminare wie diese zeigen, was private TV-Sender von gewöhnlicher Pressearbeit halten: gar nichts. Das heißt nicht, daß sie nicht tolle Möglichkeiten der Zusammenarbeit anbieten.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich war nicht bei dem Seminar. Ich habe im Deutschlandradio einen ausführlichen Beitrag von Andreas Becker für die Sendung "Markt und Medien" gehört. Das sind meine Erkenntnisse:

1. Nachrichtenagentur vermarktet TV-Sender
Es ist schon eine Notiz wert, daß die dpa-Tochter newsaktuell RTL-Events vermarktet. Es referierten RTL-Kommunikationsdirektor Wolfram M. Kons, RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel, Ulfert Engelkes, stv. Redaktionsleiter von RTL, sowie die freie RTL-Produzentin Alice Häuser. "Seminare bei RTL funktionieren ähnlich wie das RTL-Fernsehprogramm. Spannung wird erzeugt, Höhepunkte angekündigt, ein ständiges Spiel mit den Erwartungen", beschreibt Radio-Reporter Becker seinen Eindruck.

2. Geld hilft immer
Besonders spannend fand er wohl Wolfram Kons. Der Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter "plauderte eine Stunde über den Sender und seine außerordentlichen Erfolge bei der werberelevanten Zielgruppe." Und lüftete das Geheimnis, wie jeder PR-Arbeiter seinen Vorstand in das RTL-Programm hieven kann, und das "sogar live": Mit Wohltätigkeitsveranstaltungen. Alle seien herzlich eingeladen, an der nächsten Spendenaktion für Kinder teilzunehmen, so Kons.

Nun ist es wenig überraschend, dass man sich mit Geld statt guter Worte bei einem Privatsender in das Programm einkaufen kann - DAS haben die PR-Professionals, an die sich dieses Seminar richtet, schon vorher gewußt. Nicht im Beitrag erwähnt wird, daß Kons selbst es ist, der die Spendenveranstaltungen von RTL verantwortet. So gerät ein journalistischer Workshop prompt zur Verkaufsveranstaltung.

3. RTL mag Marken
Wer kein Geld hat oder sich nicht über Spenden artikulieren will, dem bleibt natürlich noch, zum Objekt "normaler" Berichterstattung zu werden. So wie die Deo-Marke, die einen Beitrag über ihre Yachtfahrt mit Promis im Boulevardformat von RTL plaziert. Oder RTL berichtet über den Dreh eines Werbespots. Das Footage-Material stammt vom Hersteller und wird dem Sender zur freien Verfügung gestellt. Das spart dem einen Geld und sichert dem anderen die Werbebotschaft.

PR-Beiträge im Programm sind immer auch Gefälligkeiten gegenüber Werbepartnern, über die man gerne auch außerhalb der Werbeblöcke berichtet. Da ist gar nichts dabei, wie  Fernsehproduzentin Häuser betont, solange die Beiträge einen "informativen Mehrwert" hätten.

4. Die gute Botschaft: Tolle Themen gehen immer.
Oder wie Kons es nennt: "Die Katze mit dem maximalen Effekt aus dem Sack zu lassen". Das ist für den Sender alles, was "Reichweiten von 20 Prozent und mehr" bringt. Übersetzt für den PRler heißt das: Ohne Sex, Promis oder Autos wird es dann doch irgendwie schwer. RTL rät in diesem Fall, es lieber in den Spartenkanälen zu versuchen.

5. Wie war´s wirklich?
Tja, nun würde mich noch interessieren, wie die Teilnehmer selbst es fanden. War jemand da und kann berichten?

P.S. Das Seminar wird wiederholt am 10. und 11. Oktober in Köln

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