Wie ist Leicas Vision?

Veröffentlicht am 1. Juni 2005 um 9:42 Uhr von

Die Leica Camera AG solle vor allem mit Neuheiten in Sportoptik und Digitalfotografie wachsen. „Die Leica Camera AG soll keine kleine Boutique für Nostalgiker werden, sondern Tradition und Innovation sinnvoll verbinden, um so auch wieder zu wachsen”, hob Spichtig hervor.
aus: FAZ

Leica ist eine stolze Marke, der ganz unbedingt zu wünschen ist, daß sie als Referenz vollendeter Ingenieurskunst erhalten bleibt. Leider ist mir in der aktuellen Berichterstattung um die drohende Insolvenz nicht viel Perspektive vermittelt worden. Die in der Kommunikation gewählten Schlüsselworte scheinen Nichteingeweihten geradezu zwangsläufig. Aber wo sind die Produkte und Dienste, mit denen Leica wieder begeistern will? Für welche fotograrische Sicht auf die Welt steht die Marke? Wo sind die ungelösten Aufgaben, die nach einer Lösung von Leica schreien? Wofür brauche ich eine Leica überhaupt heute noch? Diese oder ähnliche Fragen stellen sich wohl nicht nur Investoren, sondern alle, die sich der Marke mit heißer Verehrung verbunden fühlen, ganz gleich, ob Kunde oder nicht.

Leica sollte sich nicht mit dem Wort Nostalgie quälen, sondern sich ein Beispiel an Porsche nehmen. Ich vermute, daß beide Unternehmen von Menschen leben, die einen Jugendtraum haben und irgendwann tatsächlich in der Lage sind, ihn sich erfüllen zu können. Und die wichtigsten Vertriebler von Porsche sind Kunden, die nicht müde werden, das Außergewöhnliche des Produktes derart intensiv und überzeugend zu schildern, daß der Preis für sie zur nickligen Nebensächlichkeit wird. Und das bevorzugt gegenüber Leuten, die nicht im Traum daran denken dürfen, jemals eines der Produkte besitzen zu können. (Ich weiß wovon ich rede. Ich hatte gerade letzte Woche so eine Konfrontation.) Wenn Leica das wieder schafft, haben sie es geschafft. Bestimmt.

P.S. Nicht einmal auf der Leica-Website werden die Produkte ausreichend zelebriert. Die Darstellungen sind alle viel zu klein und die Ausführungen zu knapp. Ich vermisse den Fetisch ums Produkt: Großansichten, Details, Erklärungen zu Einzellösungen, Zahlenhuberei, Statements großer Fotografen. Wo sind die Emotionen? Das macht ja dpreview.com besser.

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