Imageschaden bei Ebay?

Veröffentlicht am 29. Juni 2005 um 18:07 Uhr von

Ebay hat einen Markenrechtsstreit um den Slogan "3..2..1..meins" gegen einen nicht weiter genannten "Unternemensberater aus Willich" verloren, der den Spruch eine Woche früher als Ebay hat schützen lassen. Das kann man hier und detaillierter hier nachlesen. Nun, das ist sicher ärgerlich für Ebay, schließlich geht der Claim seit seiner Einführung wie geschnitten Brot und alle Beteiligten sind - zu recht - sehr stolz auf ihn. Der handwerkliche Fehler, den Eintrag schlichtweg versäumt zu haben, sei hier nur am Rande erwähnt und mag vor allem brancheninterne Gemüter erwärmen.

"Selbst die großen Agenturen, ausgestattet mit viel Geld und beraten durch spezialisierte Anwälte, machen Fehler. Über vier Monate wurde eine Werbekampagne gefahren, obwohl es keine Markenanmeldung gab. Ein solcher flankierender Markenschutz ist aber absolut üblich."

Viel interessanter aber ist die Frage, ob Ebay durch das Verfahren einen Imageschaden erleidet, wie die Tageszeitung Die Welt behauptet. Hier laufen zwei Stränge zusammen, die nicht zusammengehören. Zum einen ein für Nichtbetroffene vollkommen irrelevanter Rechsstreit. Zum anderen das Lauern der Öffentlichkeit auf einen Fehler des Giganten. Wann kommt er? Wo kommt er? Wie groß wird er sein? DASS er kommt, scheint allen sicher zu sein. Zu groß das Unternehmen, zu strahlend der Erfolg, zu lang andauernd der Jubel. Langsam, still und heimlich scheint Ebay sich als Idol schlechthin (die Gründerin, die Vorständin, die Kunden, die Powerseller, die Jobmaschine, der Kampfjet, der Papstgolf usw.) abzunutzen. Was jetzt kommt, wird hart für Ebay, das zeichnet sich ab: Häme über jedes Mißgeschick, sei es auch so unbedeutend wie in diesem Fall. Die Meute scheint bereit, über das Unternehmen, das sie selbst groß gemacht hat, herzufallen.

Was Ebay derzeit bei aller professionellen Kommunikation hierzulande vielleicht besonders fehlt, ist das, was man gemeinhin mit "Human Touch" tituliert. Sicher, es gibt CEO Mag Whitman. Und sie ist eine geradezu perfekt menschelnde Konzernchefin - in Amerika. Hier bei uns ist sie nicht greifbar, ja geradezu fiktiv. Ebay hat in Deutschland versäumt, in den guten Jahren eine prominente und präsente Vertrauensperson aufzubauen, die alles, was Whitman tut und sagt, für den weltweit zweitwichtigsten Markt übersetzt. So gibt es folgerichtig auch nur sehr indirekte Informationen über die Reaktionen von Ebay zu dem Gerichtsurteil. Jetzt fehlt der Vorstand, der mal eben schnell vor die Mikros tritt und erklärt, daß das Urteil ärgerlich, aber ziemlich folgenlos ist. Erschwerend kommt hinzu, daß amerikanische Unternehmen dezentrale Kommunikation prinzipiell nicht mögen. Das könnte jetzt Konsequenzen haben.

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