Siemens greift in Kapitalismusdebatte ein

Veröffentlicht am 3. Mai 2005 um 16:09 Uhr von

Siemens_piererSpät, sehr spät kommen die Ikonen der deutschen Wirtschaft aus der Deckung und greifen in die Kapitalismusdebatte ein. Heinrich von Pierer, bis vor wenigen Wochen Siemens-Vorstand und dort jetzt Aufsichtsrat, bezieht in der FTD Stellung. Das Ergebnis: ein beherztes "einerseits, andererseits". So wohlausgewogen nichtssagend wird die Diskussion wohl ohne ihn weitergehen.

(...) Auch wir bei Siemens sind stolz, wenn wir vielen jungen Menschen in Deutschland einen neuen Job geben können. Letztes Jahr waren es - einschließlich der neu eingestellten Auszubildenden - fast 10.000. Wir sind auch stolz, wenn wir bei Siemens die Zahl der Beschäftigten im Inland unter schwierigen Bedingungen in letzter Zeit konstant bei über 160.000 halten konnten. Aber wir wissen: Wer alles so lassen will, wie es ist, wird auch das verlieren, was er bewahren will. Unsere Chancen liegen darin, dass wir unsere Kosten in den Griff bekommen. Die Agenda 2010 der Bundesregierung findet sich - abgewandelt auf betriebswirtschaftliche Erfordernisse - auch in den Unternehmen wieder. Jeder weiß aber, dass das nicht reicht.

Ich warte derweil darauf, daß ein Polarisierer wie Wiedeking den Ball aufnimmt und in besonnenem, aber politisch unkorrektem Ton erklärt, wie wichtig gewinnorientiertes, also eigentlich egoistisches, Handeln in der Wirtschaft ist. Es scheint, dass auch 150 Jahre nach Karl Marx Aufklärungsunterricht in Sachen Ökonomie notwendig ist. Wer erklärt dem Sozialstaat die Arbeitswelt? Es warten viele Sympathiepunkte darauf, vergeben zu werden. 

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Bisherige Kommentare

1 | Martin Recke schrieb am 3.05.05 20:58

Wiedeking hat sich schon geäußert, letzte Woche in der Zeit:

ZEIT: Was halten Sie von der Kapitalismuskritik von Franz Müntefering?

Wiedeking: Wenn der Papst sich entsprechend äußert, bekommen alle glänzende Augen und jubeln ihm zu. Also muss eine solche Kritik auch Herrn Müntefering gestattet sein. Wir müssen über die Themen, die allen unter den Nägeln brennen, diskutieren. Wir brauchen schlicht Arbeitsplätze – und das jede Menge.

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