Wandel kommunizieren immer nur Agenturen

Veröffentlicht am 22. März 2005 um 20:52 Uhr von

Change Management ist eines der Lieblingsthemen von Kommunikatoren. Ja, auch ich bekenne, mich sanft hingezogen zu fühlen zu Veränderungsprozessen. Das liegt ganz einfach daran, daß PR-Menschen berufsbedingt anfällig für Normabweichungen sind. Der Gipfel der Verheißung ist da Change Management. Hier geht es um alles, hier müssen Mann und Maschine auf neue Zeiten eingestellt werden und alles anders werden, damit es so bleibt wie es ist. Wir oder die. Hier ist alles Kommunikation, Information, Überzeugungsarbeit.

Zurück zum Thema. Public Relations im Change Management krankt an einer entscheidenden Stelle: Niemals, wirklich niemals ist mir zu Ohren gekommen, daß mit Change betraute Manager aktiv mit Öffentlichkeitsarbeitern zusammenarbeiten. Weder intern noch extern. Denn PR bringt die dezente operative Arbeit dieser mobilen Eingreiftruppe in Gefahr. Kommunikation wird zwar als immens wichtig betrachtet, aber vor allem wird darauf geachtet, daß sie NICHT stattfindet. Ich schwöre: Wenn eine PR-Agentur mal der Idee verfallen würde, Unterstützung bei der Vermeidung von Kommunikation anzubieten, sie hätte bessere Chancen.

Was im Change für PR immer geht: Jegliche Art von vollzogener Veränderung nachträglich als Erfolg zu verkaufen. Aber das ist es natürlich nicht, was die PR-Strategen wollen. Sie wollen als gleichberechtigte Entscheider mit an den Prozessen zuppeln und ihren Lauf so lenken, daß sie sich positiv anfühlen und entsprechend an die Betroffenen verkaufen lassen. Vermarktungsgerechte Szenarien entwickeln.

Auf das Thema gestoßen hat mich eine Publikation aus dem Hause Fischer-Appelt. Dort hat der Chefstratege Bernhard Fischer-Appelt ein Buch geschrieben, ach was, eine Vision zu Papier gebracht. Es geht um nichts weniger als "Die Moses-Methode". Sie wird wie folgt beworben:

Die Moses-Methode liefert eine Bestandsaufnahme bahnbrechenden Wandels in der deutschen Wirtschaft und hilft, Veränderung systematisch zu steuern – durch Kommunikation. Bernhard Fischer-Appelt hat dafür die Moses-Geschichte als kulturelles Muster entdeckt und daraus eine Methode entwickelt. Die These: Für bahnbrechenden Wandel brauchen Unternehmen eine Wanderkultur, in der die Fähigkeit zur Bewegung stärker ist als der Wunsch anzukommen.

Ohne hier darauf einzugehen, ob diese Metapher wirklich alltagstauglich ist, kann ich der These aus eigener Erfahrung (die Jahre 2001 bis 2004 subsumiere ich mal für ein börsennotiertes  IT-Unternehmen als Phase des Wandels) nicht viel abgewinnen. Wandel ist Belastung, nicht Verheißung. Jederzeit und für jeden. Wenn Wandel unvermeidbar wird, muß jemand die Richtung vorgeben, entschlossen handeln und dabei halbwegs überzeugen. Kommunikation kann den Trend herausarbeiten. Beeinflussen oder gar herbeireden kann sie ihn nicht.

Getreu dem Motto der Bild-Zeitung "Wer etwas wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze", habe ich auch nicht erlebt, daß die Kommunikationsabteilung auf das Wie oder Was des Wandels großen Einfluß nimmt. Ich wünsche allen Agenturen viel Glück, an die verlockenden Etattöpfe heranzukommen. Leicht ist es nicht.

Wer Autor und Thema live erleben möchte: Es gibt eine Buch-Präsetation im Murmann-Verlag in Hamburg. Am 6. April 2005 um 17:30 Uhr präsentiert Bernhard Fischer-Appelt seine Methode im Gespräch mit Harald Ehren, Redakteur der Financial Times Deutschland.

in

Trackbacks

TrackBack-URL für diesen Eintrag:
http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/540

Bisherige Kommentare

Kommentar schreiben





powered by SinnerSchrader

next08 - register