Managergehälter oder: Die Unfähigkeit der Wirtschaft zum Politischen

Veröffentlicht am 14. März 2005 um 7:01 Uhr von

Boerse_5_2Getrennt marschieren, vereint schlagen? Jedenfallls die DAX30-Unternehmen haben hiervon noch nie etwas gehört. Auch in der Diskussion um die Offenlegung von Managergehältern verliert sich die Betroffenenseite im Klein-klein. Die Unfähigkeit, konzertiert politisch verfehlte Forderungen an die Wirtschaft zu kontern, hat System. Ob es das Diskriminierungsgesetz ist, Unternehmensbesteuerung, Sozialabgaben, Ausbildungspakt, Bündnis für Arbeit oder das Bankgeheimnis: Interessenarbeit ist Lobbyarbeit ist unsichtbar, basta. Bloß nichts öffentlich diskutieren, bloß kein Versuch, die Öffentlichkeit mit Argumenten zu überzeugen. Mit Sympathien für ihre entschlossen mutlose Haltung können die Unternehmen jedenfalls nicht rechnen.

Mich verwundert, warum die Konzerne den Spieß nicht umdrehen. Statt schmollend im Verdacht persönlicher Bereichung stehenzubleiben, wäre jetzt genau die richtige Zeit für eine Initiative gegen die Einmischung der Politik in Privatunternehmen. Denn das ist sehr wohl im Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter: dass Parteien nicht auf ihre Kosten einen zentralistischen Gleichheitsfanatismus entfalten. Wenn hier jemand über die Offenlegung der Gehälter entscheidet, dann die Aktionäre, nicht Berlin. Es wäre ein leichtes für die DAX-Unternehmen, sich darüber abzustimmen, dieses auf die Agenda ihrer kommenden Hauptversammlungen zu stellen. Allein, es fehlt der Mut zur kollektiven Selbstbefreiung.

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Bisherige Kommentare

1 | Martin Recke schrieb am 14.03.05 10:38

Ist doch klar, warum sie das nicht tun. Da auf den meisten Hauptversammlungen die Anträge der Verwaltung schlicht durchgewunken werden, müssten die Vorstände anschließend eben ihre Einkünfte offenlegen. (Ansonsten würde ich sagen: Corporate-Governance-Kodex lesen bildet.)

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