Warum Weblogs zum Hype nicht taugen

Veröffentlicht am 10. Februar 2005 um 10:44 Uhr von

TechnoratiDas Erregungskartell der Medienszene ist sich einig: Weblogs sind die schärfste Waffe im "Viral-Marketing".

Sie verändern erst die Recherche, dann den Journalismus und schlußendlich die Unternehmenskommunikation. Und schon fallen wie gewünscht die ersten willigen Opfer vom Baum: Apple verklagt Blogger, Jamba bloggt im Namen begeisterter Kunden), Kryptonite ist durch ein Weblog gezwungen, Produkte zu ändern, Ogilvy & Mather tappt in die Jamba-Falle, und Air Berlin betreibt ein quälend langweiliges PR-Blog. Hämisch werden ihre Namen herumgereicht.

Ich glaube, das legt sich schnell.

Das erste Problem: Masse

Derzeit gibt es angeblich 70.000 Blogs in Deutschland (Berlecon Research, Berlin). Natürlich gibt es Suchmaschinen, um der Flut Herr zu werden. Aber wer entscheidet rechtzeitig, welche Meinung das Zeug dazu hat, aus dem Blogger-Käfig auszubrechen? Wer will denn täglich den PR-Verantwortlichen anhand von Blogger-Einträgen von der drohenden Apokalypse überzeugen?

Das zweite Problem: Inzest

Wie alle Rampansäue sind auch Blogger eitle Menschen, die gerne über andere schreiben, aber am liebsten über sich selbst etwas lesen. Wie bringt man einen anderen Weblog dazu, über sich zu schreiben? Indem man auf diesen Wunschblog hinweist, ihn zu einem Thema lobend erwähnt, die Passage verlinkt und die Site auf seine Liste der Lieblingsblogs aufnimmt. Und schon ist man im "inner circle" der Bloggerbranche, die genau wie jede andere Medienbranche funktioniert: Schreibst du über mich, schreib ich über dich. Das Ergebnis ist eine Bauchnabelschau erster Güte, bei der jeder von jedem abschreibt. Ich würde behaupten, dass 99 Prozent aller Themen nicht aus diesem Käfig herauskommen.

Das dritte Problem: "Die Medien"

Dass ein Weblogger mit etwas nicht zufrieden ist, ist noch keine Krise. Zur Krise wird es erst, wenn die "echten", wirklich reichweitenstarken Medien dieses Thema aufgreifen. Das passiert derzeit alle naselang, weil Blogs als Quelle irgendwie investigativ, wild und innovativ wirken. Aber wie gesagt: Blogs sind Hype und das Ende dieser Sehnsucht nach authentischen Quellen "direkt von der Basis" abzusehen.

Werden Weblogs überschätzt?

Eindeutig ja. Aus einem ganz einfachen Grund: Es ist nicht das Weblog an sich, das ein Thema zum Thema macht, es ist die Suchmaschinenrelevanz. Weblogkommentare lassen sich über Google genauso einfach finden wie die Homepage eines Unternehmens. Dieses demokratische Element wiederum ist aber schon immer das Wesen des Internets gewesen. Meinungen haben sich über das Internet schon immer schnell verbreitet. Gestern nutzte die "Community" Foren, heute Weblogs. Man muß es halt nur wissen.

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Bisherige Kommentare

1 | Martin Recke schrieb am 10.02.05 10:49

Man kann am Thema Weblogs alle Diskussionen von neuem führen, die Mitte der 90er angesichts des Phänomens Internet an sich bereits geführt wurden. Blogs verändern die Unternehmenskommunikation nicht mehr und nicht weniger als das Internet selbst es bereits getan hat und noch immer tut. Das ist einerseits wenig spektakulär (auch das Fax hat die Unternehmenskommunikation verändert), andererseits aber durch seine Dynamik immer wieder spannend.

2 | Sven schrieb am 18.08.06 0:23

Witzige Idee:

www.deutschlandskoenig.de

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