Politik statt Sex

Veröffentlicht am 19. Februar 2005 um 14:23 Uhr von

Einen interessanten Trend hat der gerade geschaßte RTL-Geschäftsführer Marc Conrad in einem Interview mit dem Medieninformationsdienst epd beschrieben:

"Früher hat RTL den Zuschauern "das Korsett geöffnet". Heute ist ,Politik der neue Sex', damit meine ich alles, was unsere Gesellschaft betrifft."

Dieser Gedanke ist mehrfach interessant. Erstens. Sex ist wichtig, aber für einen Sender wie RTL nicht massenkompatibel genug. Zweitens. Conrad dokumentiert, wie weit die Uminterpretation des Politischen fortgeschritten ist. Politik ist eben nicht das, was uns angeht, sondern was uns aufregt. Der Quotendruck serviert wohltemperierte Erregungshäppchen, die sich beliebig an- und abschalten lassen. Wirkliche gesellschaftliche Relevanz läßt sich schwer auf die gängigen Quotenformate übertragen. Und wo traut sich ein Programmchef an wirkliche Reizthemen ran, gar welche, die Werbekunden beunruhigt? Drittens. Da hat RTL aber noch einen weiten Weg vor sich, wenn es Politik als Sex behandeln will. Das Programm sieht nämlich anders aus - siehe die "Neustarts" des Senders. Ich behaupte mal, daß Conrad auch gehen mußte, weil der Sender mit den Konsequenzen dieser Diagnose (derzeit?) überfordert ist.

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